„Chest Pain Unit“ soll Expresshilfe garantieren
In den USA gehören sie zu jedem Krankenhaus, in Deutschland sind sie im Kommen: die Chest Pain Units (Brustschmerzeinheiten), spezielle Notfalleinheiten für Patienten mit Brustschmerzen. Durch rasche und zielgerichtete Herzdiagnostik können Herzpatienten erfolgreicher behandelt und schneller entlassen werden. Im Überblick
Chest Pain Units in Deutschland
In den USA gehören sie zur Routine vieler Krankenhäuser, in Deutschland sind sie im Aufbau: die „Chest Pain Units“ (
Brustschmerzeinheiten), spezielle Notaufnahmeeinheiten für Patienten mit akuten Brustschmerzen. Während in den Vereinigten Staaten bereits jedes dritte Krankenhaus über ein eigenes Brustschmerzzentrum verfügt, existieren in Deutschland derzeit etwa 50 solcher Spezialambulanzen, Tendenz steigend. Nachdem die Fachgesellschaft der Herzspezialisten, die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V., im letzten Jahr strenge Kriterien für die Einrichtung der Brustschmerzzentren vorlegte, kommt es nun darauf an, bestehende Einheiten zu überprüfen und ggf. zu verbessern sowie neue Zentren zu etablieren. An erste Brustschmerzeinheiten wurde der neue Qualitätsmaßstab bereits angelegt. Die Zentren in Essen, Mainz, Heidelberg, Mannheim und Neuss dürfen sich bereits über eine Zertifizierung freuen, die sie als leistungsfähige und spezialisierte Notfalleinheiten auf dem Gebiet der Herzkrankheiten ausweist.
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Vorteile der Brustschmerzzentren auf einen Blick
Für die Patienten bringt die neue Struktur viele Vorteile: Kommen sie mit Brustschmerz in das Spezialzentrum, erfolgt die komplette Diagnostik direkt vor Ort. Dadurch entfallen lange Wartezeiten, die Ursache der Schmerzen wird schnell gefunden und die Therapie kann früher als gewohnt beginnen. Die Zeitersparnis in Diagnostik und Therapie soll einerseits natürlich Leben retten, sie hilft aber auch, Patienten und Ärzte zufriedener zu machen. So werden lange Wartezeiten und komplizierte Übergaben zwischen den Ärzten vermieden. Wenn sich herausstellt, dass der Brustschmerz seine Ursache nicht in einer akuten Herzkrankheit hat, kann der Patient oft rasch wieder nach Hause entlassen werden. Im Falle einer weiteren Krankenhausbehandlung dauert der Aufenthalt nicht mehr so lange wie vorher, da ein Großteil der Untersuchungen schon in den ersten Stunden absolviert wurde.
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Perfekte Ausstattung ist die Basis
Eine Chest Pain Unit kann allerdings nur dann erfolgreich sein, wenn sie ausreichend ausgestattet ist: etwa mit modernster Medizintechnik für Diagnostik und Therapie wie
EKG,
Echokardiografie,
Defibrillator, Beatmungseinheit sowie
CT und
MRT in erreichbarer Nähe. Der Weg zum ständig besetzten
Herzkatheterlabor darf nicht länger als 15 min dauern, gleiches gilt für den Weg zur Intensivstation. Laboruntersuchungen müssen rund um die Uhr erfolgen können. Mindestens ebenso entscheidend wie die Technik jedoch ist die personelle Ausstattung. In einem Brustschmerzzentrum ist ein kardiologisch erfahrener Arzt immer vor Ort, ein kardiologischer Oberarzt kann in kürzester Zeit beim Patienten sein. Das Pflegepersonal wird für die Aufgabe in der Brustschmerzeinheit speziell geschult und absolviert regelmäßig Notfallkurse. Natürlich kostet die Einrichtung einer solch spezialisierten „Mini-Notaufnahme“ viel Geld. Die Investition lohnt sich jedoch, denn durch schnellere und effektivere Behandlung sowie kürzere Liegezeiten der Patienten wird andererseits viel Geld gespart.
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Bei Brustschmerz zählt jede Minute
Ein weiterer Vorteil der Chest Pain Units besteht darin, dass sie von Rettungsdiensten gezielt angefahren werden können, wenn ein Patient über Herzbeschwerden klagt. Die Zeitersparnis kommt wiederum den Patienten zugute, denn im Falle eines
Herzinfarkts zählt buchstäblich jede Minute. Ein Problem ist mit den neuen Notfalleinheiten allerdings nicht zu lösen: In Deutschland dauert es immer noch zu lange, bis Patienten bei unklaren Brustschmerzen den Notarzt rufen. Der Zeitverlust, der durch das lange Zögern der Patienten entsteht, kann nur durch breit angelegte Aufklärungskampagnen zum Thema Brustschmerz und Herzinfarkt begrenzt werden.
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Glossar
Chest pain unit spezielle Notfalleinheit, in der Brustschmerz schnell und zielgerichtet untersucht werden können.
Defibrillator elektrisches Gerät, mit dem ein Herz-Kreislauf-Stillstand durchbrochen werden kann.
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